Sommer-Mundraub — was du in Brandenburg im Juli und August ernten darfst
Im Hochsommer trägt der Wald selbst. Was du in Brandenburg im Juli und August sammeln darfst, wo du es findest und was du besser stehen lässt.
Der Wald trägt jetzt selbst
Ende Juli, ein Kiefernwald in der Niederlausitz. Der Boden zwischen den Stämmen ist blau, kniehoch, so weit man sieht. Wer im Frühjahr am Wegesrand nach Kräutern gesucht hat, kennt das schmale Fenster und das gebückte Suchen nach einzelnen Blättern. Im Hochsommer ist das anders. Jetzt trägt der Wald selbst, nicht nur sein Rand.
Was am Wegrand, im Wald und auf der Heide wächst und frei zugänglich ist, darf man in kleinen Mengen für sich mitnehmen. Legal, in Maßen, mit etwas Wissen. Um dieses Wissen geht es hier.
Was der Juli und August in Brandenburg hergeben, wo man es findet und was man besser stehen lässt. Pilze sparen wir hier bewusst aus, die bekommen ihr eigenes Special. Ein Wald voll Heidelbeeren ist ohnehin Grund genug für einen Nachmittag.
Was im Juli und August reif ist
Wald-Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) ist die Hauptfigur des Hochsommers. Reif von Mitte Juli bis Ende August, in sauren, lichten Kiefern- und Mischwäldern und auf Heideflächen. Die wilde Beere ist deutlich kleiner als die aus dem Supermarkt und färbt durch: Fruchtfleisch und Saft sind dunkelblau, nicht hell. Wer blaue Finger bekommt, hat die richtige erwischt. Als eigenes Sommerziel steht sie bei Wilde Heidelbeeren sammeln.

Wald-Himbeere trägt bis in den August, an Lichtungen, auf Kahlschlägen und Waldrändern, überall dort, wo Licht auf offenen Boden fällt. Sie ist kleiner und aromatischer als die Gartenform und löst sich reif von selbst vom Zapfen. Was klebt, ist noch nicht so weit.

Brombeere kommt ab August dazu und bleibt bis in den Oktober. Waldränder, Hecken, Böschungen. Sie reift von vorn nach hinten: Die dickste, tiefschwarze Beere an der Spitze ist die süßeste, der Rest braucht noch ein paar Tage in der Sonne.

Haselnuss (Corylus avellana) ist ab Ende August so weit, in wärmeren Lagen bis in den September. Reif ist sie, wenn sie sich leicht aus dem grünen Fruchtbecher löst. Nur muss man schnell sein. Eichhörnchen und Eichelhäher rechnen nicht mit dir, sie ernten drei Wochen früher und teilen ungern. Was am Boden liegt und noch fest ist, ist meistens der realistische Anteil.

Holunderbeere hängt ab Ende August bis September in schwarzen Dolden an Waldrändern und Wegen. Ein wichtiger Vorbehalt gleich hier: Roh sind die Beeren nicht essbar. Gekocht werden sie zu Saft, Gelee oder Suppe. Mehr dazu weiter unten.

Beim Wildobst lohnt Ehrlichkeit: Das meiste ist Herbstsache. Schlehe und Hagebutte brauchen den September oder den ersten Frost. Eine frühe Ausnahme ist die Eberesche, die Vogelbeere, deren orange Dolden ab Ende Juli leuchten. Roh enthält sie Parasorbinsäure und schmeckt streng, gekocht wird sie zu herbem Gelee. Und die Sommerkräuter stehen weiter am Wegrand. Wer sie mit Begleitung kennenlernen will, ist bei einem Wildkräuter-Kurs richtig. Was im Frühjahr wächst, steht ausführlich in Wildkräuter im Mai.
Was du stehen lässt
Nicht alles, was essbar aussieht, ist auch zum Mitnehmen gedacht. Es gibt zwei Gründe, etwas stehen zu lassen. Der eine ist der Schutz, der andere ist das Maß.
Manche Arten stehen unter besonderem Schutz und dürfen gar nicht entnommen werden, auch nicht in kleiner Menge. Im Sommer betrifft das zum Beispiel die Arnika mit ihren gelben Blütenkörbchen, die Wildorchideen und den Sonnentau in den Mooren. Keine davon würde man aus Versehen essen, aber das Prinzip trägt weiter: Was selten ist, bleibt, wo es steht. In Brandenburg gehört auch der Bärlauch dazu, er steht hier auf der Roten Liste, Kategorie 1. Warum, steht im Bärlauch-Artikel.
Der zweite Grund ist keine Vorschrift, sondern Anstand. Das Gesetz nennt es „pfleglich“. Ein Heidelbeerfeld ernährt Vögel, Insekten und im nächsten Jahr wieder dich. Nimm eine Handvoll von jedem Busch, nicht den ganzen Busch. Eine brauchbare Faustregel: an einer Stelle nie so viel, dass man dir hinterher ansieht, wo du gewesen bist.
Wo es erlaubt ist
Die rechtliche Grundlage passt in einen Satz. Die Handstraußregel (§ 39 Bundesnaturschutzgesetz) erlaubt jedem, wild wachsende Früchte, Nüsse, Kräuter und Zweige in geringen Mengen für den eigenen Bedarf zu sammeln, solange die Stelle frei zugänglich ist und die Art nicht besonders geschützt. Beeren und Nüsse sind darin ausdrücklich gemeint. Ausführlicher steht das im Wildkräuter-Artikel, hier reicht die Kurzfassung.
Wo die Regel nicht gilt: In Naturschutzgebieten und in den Kernzonen von Biosphärenreservaten ist Sammeln tabu, oft schon das Verlassen der Wege. Und ein Naturpark ist kein Freibrief. Er ist eine große Kulisse, in der einzelne Naturschutzgebiete liegen. Außerhalb dieser Zonen, im normalen Wirtschaftswald, greift die Handstraußregel. Die einfachste Regel bleibt: Wenn ein Schild etwas verbietet, gilt das Schild.
Wo also. Heidelbeeren mögen saure, lichte Kiefernwälder und Heiden, wie es sie in der Niederlausitzer Heidelandschaft und im Naturpark Dahme-Heideseen großflächig gibt. Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist reich an Waldrändern und Heideflächen, mit dem klaren Vorbehalt, dass seine Kernzonen geschlossen bleiben. Im Hohen Fläming und im Naturpark Barnim, letzterer fast vor den Toren Berlins, tragen die Waldränder Brombeeren und Haseln. Man muss aber nicht weit fahren. Auch die Berliner Forsten und der Grunewald halten an ihren Rändern Himbeeren und Brombeeren bereit, wenn man Straßennähe und Hundeauslaufflächen meidet. Wer daraus einen ganzen Tag machen will, wandert durch die Märkische Schweiz, wo sich Waldränder und Wege gut verbinden lassen. Einen Überblick über die Regionen gibt der Beitrag Brandenburgs Naturparks.
Was du nicht in den Korb legst
Beim Sammeln gilt derselbe Satz wie bei den Kräutern: im Zweifel nicht. Drei Dinge zählen im Sommer besonders.
Die Tollkirsche trägt ab August glänzend schwarze Beeren, einzeln, jede auf einem grünen, fünfzipfeligen Kelch, und sie schmecken süß. Genau das macht sie gefährlich. Sie ist eine der giftigsten Pflanzen Europas und wächst an Waldrändern und auf Lichtungen, oft in Reichweite von Brombeeren. Die Unterscheidung ist trotzdem eindeutig: Eine einzelne, glänzende schwarze Kugel ist nie eine Brombeere. Brombeeren sitzen zu vielen kleinen Kügelchen zusammen, an dornigen Ranken.

Die Tollkirsche, nicht essbar: eine einzelne glänzend schwarze Beere auf grünem, fünfzipfeligem Kelch.
Holunderbeeren enthalten roh ein Glykosid, das Übelkeit und Erbrechen auslöst. Erhitzen zerstört es zuverlässig. Deshalb wandert Holunder nie roh in den Mund, sondern immer erst in den Topf. Danach ist er unbedenklich.
Und der Klassiker der Beeren-Sorge, der Fuchsbandwurm. Die Krankheit, die er auslösen kann, ist ernst, aber sie ist in Deutschland sehr selten. Das Robert-Koch-Institut zählte für 2016 genau 26 Fälle im ganzen Land. Ein belegter Ansteckungsweg über Waldbeeren existiert nicht, das Risiko läuft vor allem über die Hände, nach Kontakt mit Fuchs, Hund oder Erde. Waschen senkt die Wahrscheinlichkeit, beseitigt sie nicht ganz, und Erhitzen über 60 Grad tötet die Eier sicher ab. In der Praxis heißt das: Die Sorge ist meist größer als die Gefahr. Wer sie trotzdem hat, kocht.
Ein Korb ist genug
Der Wald trägt, ob du kommst oder nicht. Eine Handvoll Heidelbeeren auf der Zunge, gepflückt im Stehen, ist am Ende mehr wert als der volle Eimer, der zu Hause im Kühlschrank grau wird. Nimm, was für einen Nachmittag reicht. Der Rest bleibt für die Vögel, für den, der nach dir kommt, und für nächsten Juli.
Häufige Fragen
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Ja. Die Handstraußregel (§ 39 Bundesnaturschutzgesetz) erlaubt das Sammeln wild wachsender Beeren in kleinen Mengen für den eigenen Bedarf, solange die Fläche frei zugänglich ist und du nicht in einem Naturschutzgebiet oder einer Kernzone bist. Wilde Heidelbeeren stehen nicht unter besonderem Artenschutz.
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Müssen nicht. Ein Ansteckungsweg über Waldbeeren ist nicht belegt, und die Krankheit ist in Deutschland sehr selten. Waschen senkt das Risiko, beseitigt es aber nicht vollständig. Nur Erhitzen über 60 Grad tötet die Eier sicher ab. Wer ganz sichergehen will, kocht die Beeren kurz auf.
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Haselnüsse ab Ende August bis September, reif sind sie, wenn sie sich leicht aus dem grünen Fruchtbecher lösen. Holunderbeeren reifen von Ende August bis September zu tiefem Schwarzviolett. Roh sind sie ungenießbar und lösen Übelkeit aus, gekocht sind sie unbedenklich.