Eine Eselwanderung mit Kindern — und was wir nicht erwartet hatten.
Streganz, eine knappe Autostunde südlich von Berlin: eine Eselstute namens Kira, zwei Kinder und sechs Kilometer durch den Naturpark Dahme-Heideseen. Ein Bericht über das, was wir nicht erwartet hatten.
Wir waren an einem Maitag zu dritt unterwegs — ein Erwachsener, zwei Kinder, fünf und neun Jahre alt. Dazu der Esel Kira. Streganz, eine knappe Autostunde südlich von Berlin, am Rand des Naturparks Dahme-Heideseen.
Die Kinder hatten sich auf diesen Tag gefreut, jeder auf seine Weise. Der Neunjährige still und neugierig, schon auf der Fahrt mit ruhiger Vorfreude. Der Fünfjährige eher hörbar — er hatte zwei Wochen lang täglich gefragt, wann es denn endlich losgeht. Die Sorge kam erst auf der letzten halben Stunde Auto auf: Was, wenn der Esel nach hundert Metern beschließt, dass es jetzt reicht und im Wald stehen bleibt? Im Hinterkopf war ein Plan B — zurück zum Auto, irgendwo Eis essen. Den haben wir nicht gebraucht.
Ankunft in Streganz
Die Fahrt geht über die A113 und dann auf die L74. Kein Schild „Erlebnisbauernhof", kein Parkplatz mit Familienwappen am Eingang. Wer das vermisst, ist falsch. Der Hof von Heidesee-Esel gehört seit 1750 der Familie Fiedler. Die Einweisung beginnt unaufgeregt — wer zuhört, erfährt nebenbei, wie die Eltern hier zwischen Eseln aufgewachsen sind.
Was eine Eselwanderung wirklich ist
Eine Viertelstunde Einweisung. Halfter, Führleine, Körpersprache. Worauf zu achten ist, wie der Esel angefasst werden möchte, was passiert, wenn er kurz stehen bleibt. Dann geht es los. So sieht eine Eselwanderung in Brandenburg aus: kein langer Vorlauf, keine Verkaufsrunde am Anfang.
Kira ist die älteste Stute im Hof, und das merkt man. Sie geht in einem ruhigen, gleichmäßigen Tempo, bleibt manchmal stehen, um zu fressen, und lässt sich danach freundlich weiterziehen. Das war die erste Überraschung: Sie ist nicht stur. Sie ist langsam, das ja. Aber wenn man freundlich an der Leine zieht und ihr Zeit gibt, kommt sie mit. Wer einen Bockigkeitstest erwartet, wird enttäuscht.
Kira lässt sich an zwei Seiten führen — links und rechts gleichzeitig. Das hat einen praktischen Effekt, den wir nicht vorhergesehen hatten: Beide Kinder konnten den Esel von Anfang an in der Hand haben. Kein „du darfst jetzt mal", keine Streitgespräche, keine Vermittlungsarbeit. Beide hielten ihre Leine, beide gingen neben dem Tier, beide entschieden mit, wann eine Pause war.

Nach etwa zwanzig Minuten war die Scheu weg. Beide Kinder strichen Kira über den Hals, über die Nase, über das weiche Fell zwischen den Ohren. Der Kleine hat ihr Gras gegeben aus der flachen Hand, vorsichtig, weil er vorher gehört hatte, wie er sie nicht erschreckt. Nach einer Stunde haben beide Kinder Kira ein Stück allein geführt — ohne Erwachsenenhand an der Leine, nur sie und das Tier.
Der See, an dem Kira nicht ans Wasser durfte
Sechs Kilometer in dreieinhalb Stunden, das ist die Strecke, die wir am Ende gegangen sind. Mit zwei Kindern, fünf und neun, in kleinem Schritt. Wer das in Wanderführern liest, denkt an einen ambitionierten Familienausflug. In Wirklichkeit war es ein langes Schlendern mit vielen kleinen Pausen.
Etwa in der Mitte sind wir an einem See im Naturpark vorbeigekommen. Ein klassischer Brandenburger See mit Schilf, lichten Birken und einer leeren Bank ein paar Meter vom Ufer entfernt. Die letzten Meter zur Uferkante waren schmal abgesperrt — kein Esel passt da durch, vermutlich war das genau die Absicht. Kira blieb also ein Stück oberhalb, im Schatten, und graste. Die Kinder waren kurz traurig. Sie hatten sich gewünscht, dass sie mit Kira gemeinsam ans Wasser kommen. Dafür haben sie ihre Wasserflasche geteilt, ihre Brote ausgepackt und sind dann zehn Minuten zwischen den Schilfhalmen herumgeklettert.
Dass die Kinder das Tier dort ohne uns wahrnahmen — auf Distanz, in Ruhe — war einer der unangekündigten Höhepunkte. Sie haben gelernt, dass dieser Esel mit oder ohne sie da ist. Das ist eine kleine, aber wichtige Lektion, die man nicht abrufen kann.
Zwei Dinge, die gut zu wissen sind
Esel sind ungefährlich. Sie beißen nicht, schlagen nicht aus, laufen nicht weg. Aber Kira wiegt 200 Kilo. Wer ihr zu nah steht, wenn sie sich dreht, lernt, dass 200 Kilo keine theoretische Zahl sind. Geschlossene Schuhe also.

An Engpässen — schmale Pfade, Hecken, Durchgänge — sucht Kira ihren Weg selbst. Wenn ein kleines Kind direkt an ihrer Seite läuft, kann sie es kurz mit ihrem Körper gegen die Begrenzung schieben. Nicht böse, einfach weil sie dort hin will. Bei Kindern unter sechs lohnt es sich, eine erwachsene Hand am Kind zu haben — wir hatten beim Kleinen an zwei Stellen die Seite gewechselt, dann ging es weiter.
Was es kostet und ob es das wert ist
Heidesee-Esel verlangt für einen Nachmittag — drei bis vier Stunden, ein Esel — zwischen 160 € und 220 €, je nach Wochentag und Saison. Bis zu vier Personen teilen sich ein Tier. Das ist kein Spontankauf. Es liegt deutlich über einem Tag im Zoo, einem Eintritt im Freizeitpark, einem Familienkino — eher auf der Höhe eines guten Restaurantabends. Der Unterschied: Am Ende liegt keine Rechnung auf dem Tisch, sondern zwei Kinder, die seit einer Stunde von Kira reden.

Was bekommt man dafür? Drei Stunden konzentrierte Aufmerksamkeit auf ein einziges Tier, an einer Leine, die niemand sonst gerade führt. Familie Fiedler, die seit Generationen auf dem Hof lebt und auch dann keine Show macht, wenn niemand zuschaut. Keine App, kein Programmpunkt, keine Animation.
Was uns überrascht hat, war die ruhige Wirkung des Tiers. Drei Stunden langsames Gehen neben Kira, die ihre eigenen Pausen einlegt — das senkt ein Tempo, das wir vorher gar nicht als hoch empfunden hatten. Nach dreieinhalb Stunden war Kira nicht mehr fremd. Sie gehörte für diesen Tag dazu. Beim Abschied haben die Kinder ihr hinterhergerufen. Der Kleine sagte: „Kira. Danke schön."
Häufige Fragen
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Anbieter setzen meist sechs Jahre als Mindestalter an. Unter sechs ist es möglich, mit einem Erwachsenen pro Kind an der Seite.
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Bei Heidesee-Esel zwischen 160 € und 220 € pro Esel und Nachmittag, je nach Wochentag und Saison. Bis zu vier Personen teilen sich ein Tier. Eher ein bewusster Tag als ein Spontankauf.
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Geschlossene Schuhe sind sinnvoll. Lange Hose, dazu eine Regenjacke, auch wenn die Sonne scheint — Brandenburg ist kein verlässlicher Wetter-Garant.
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Möglich, aber lang: RE2 bis Königs Wusterhausen, dann Bus oder Taxi nach Streganz — gut zwei Stunden eine Strecke. Mit dem Auto ist man in einer knappen Stunde dort.